Freizeit – Improvisations-Theater

Seit mehr als 3 Jahren spiele ich montags Improvisationstheater. Kennengelernt habe ich es, als ich die Werkschau (eine erste öffentliche Aufführung) eines Freundes besucht habe. Dies gefiel mir so gut, dass besagter Freund (und Arbeitskollege) mir zum 30. Geburtstag einen Gutschein zu einem Wochenend-Workshop bei der Improgruppe „Die Spieler“ geschenkt hat. Er meint dazu, unsere gelegentlichen Quatschgespräche während der Arbeitszeit seien eigentlich nichts anderes als Impro 🙂

Der Workshop am Samstag und Sonntag, insgesamt 11 Stunden, hat mich so sehr begeistert, dass ich mich direkt für einen festen, wöchentlichen Kurs angemeldet habe. Die Trainerinnen Britta und Lotta sind unglaublich gut darin, Anfängern mit extrem viel Spaß zu vermitteln, worum es dabei geht.

Unser zweistündiger Kurs läuft üblicherweise so ab, dass man am Anfang Aufwärmübungen macht, um warm zu werden. Das können Spiele sein, die manche vielleicht von Kindergeburtstagen kennen, was sich komisch anhören mag, die aber Spaß machen und gezielt einzelne Skills trainieren, z.B. Reaktion, Aufmerksamkeit, Schnelligkeit.

Danach folgen meist Übungen, die alle gleichzeitig in Gruppen (zu zweit, dritt oder viert) machen. Diese haben schon etwas mehr mit Impro zu tun, z.B. das Erzählen einer gemeinsamen Geschichte unter bestimmten Regeln (etwa Wort-für-Wort oder in einem bestimmten Genre) oder das Definieren eines Settings (Wer-Wo-Wie-Was).

Nach etwa einer Stunde spielen wir dann Szenen auf der Bühne, wobei die nicht-Mitspielenden das Publikum darstellen, welches wie beim Improtheater üblich, Stichworte vorgibt, so dass die Spieler auf der Bühne keine Chance zur Vorbereitung haben.

Hierzu gibt es, wie beim Aufwärmen auch, eine Vielzahl von Techniken. Es gibt eigentlich keine Grenzen; den Techniken ist nur gemeinsam, dass eine Szene, ein kleines Theaterstück, spontan auf der Bühne entsteht. Die Spieler haben am Anfang der Szene noch keine Ahnung worauf die Szene hinausläuft (und das ist auch gut so!).

Klingt schwierig? Ich denke: ja und nein. Einerseits erfordert es Mut, sich auf die Bühne zu stellen und Rollen zu spielen. Und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die man mühsam durch das Training verbessert, die aber jeder Mensch ohnehin in sich trägt. Andererseits ist es leichter als man denkt, da es natürliche Situationen sind, die gespielt werden. Sicherlich gibt es oft Settings, mit denen man weniger vertraut ist (z.B. wenn es um Genres geht wie Märchen oder Science-Fiction, oder wenn Berufe gespielt werden, die man nicht kennt), aber was Improvisations-Theater für den Zuschauer sehenswert macht, sind meist die zwischenmenschlichen Beziehungen. Und mit diesem Thema sind wir alle mehr oder weniger vertraut.

Unsere Trainerinnen sind perfekt darin, einem Schüchternheit oder Sorgen zu nehmen. Die beiden Grundprinzipien „AuJa“ (=Angebote der Mitspieler annehmen) und „Scheiter heiter“ (=wenn etwas schief geht, kein Problem, mach was draus) werden einem regelrecht eingeimpft und das Beste am Improtheater ist, wenn man wundervolle Mitspieler hat, auf die man sich verlassen kann. Meiner Erfahrung nach sind Menschen die sich fürs Impro-Spielen interessieren, offene und herzensgute Menschen, mit denen man gern zusammen ist. Daher sind mir meine Mitspieler aus dem Montagskurs auch ans Herz gewachsen und die Atmosphäre ist mehr als angenehm. Am Herbst 2016 endete unser Kurs offiziell, aber da alle Spieler aus meiner Montagsgruppe unbedingt weitermachen wollten, organisieren wir uns inzwischen selbst, das heißt, wir suchen für einzelne Stunden freie Trainer oder einer aus unserer Gruppe bereitet den Abend vor.

Mir hat Improvisationstheater so viel Freude und Erfüllung bereitet, dass ich jedem nur empfehlen kann, es selbst auszuprobieren. Wenn ich jemandem davon erzähle ist die erste Reaktion meist „das könnte ich nicht“ oder ähnlich. Ich sag dann immer, doch, das kann jeder, siehe oben.

Wer sich dabei aber tatsächlich sehr unwohl fühlt, dem kann ich zumindest empfehlen, sich einmal eine Aufführung einer der wundervollen Gruppen als Zuschauer anzuschauen. In Hamburg kann ich sehr guten Gewissens „Die Spieler“ und „Hidden Shakespeare“ empfehlen, in Berlin „Die Gorillas“ und wenn einem die englische Sprache kein Problem macht, meine absolute Lieblingsgruppe, die „Crumbs“ (die es glaube ich so nicht mehr gibt, aber Lee White ist scheinbar von Kanada nach Berlin gezogen und scheint dort nun zu spielen).

Meine Lieblingsszene bei YouTube findet Ihr hier, aber ich bin mir nicht sicher, ob man ohne Vorkenntnisse einschätzen kann, wie perfekt die beiden ihre Rollen ausbauen und aufeinander eingehen. Wenn man selbst ein wenig Impro gespielt hat, kann man das nur bewundern 🙂

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick in dieses tolle Gebiet geben, welches eigentlich mehr als eine Freizeitbeschäftigung ist, da es den Horizont erweitert und einen persönlich voranbringt.

Love & Peace,
Mr. FriedeFreude 🙂

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