Flitterwochen / Urlaubsentscheidung

Heute möchte ich kurz von unseren Flitterwochen berichten, weil wir eine interessante Entscheidung getroffen haben und diese Überlegungen für Alle interessant sein könnten, die sich der Auswirkungen ihres Konsumverhaltens auf die Welt bewußt sind.

Im Oktober 2016 haben wir ein verlängertes Wochenende in einer Ferienwohnung von Verwandten in Goldhöft (an der Ostsee, in der Nähe von Flensburg) verbracht und uns Gedanken über unsere anstehenden Flitterwochen im Winter gemacht. Neben den offensichtlichen Reiseideen (große Flugreisen in ein tolles Hotel irgendwo ins Warme) kam dann die Idee auf, einfach in dieser wundervollen Ferienwohnung auch die Flitterwochen zu verbringen. Daher haben wir uns entschieden, eine Pro-Contra-Liste Liste mit Argumenten zu schreiben: auf der einen Seite die große Fernreise, auf der anderen Seite die Ferienwohnung.

Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht, den Vergleich nach streng formalen Kriterien durchzuführen, aber dahinter steht auch eine ernste Entscheidung, die jeder Mensch (der das Glück hat, Urlaub machen zu können) immer wieder zu treffen hat, da große Reisen viele „moralische“ Nachteile mit sich bringen *)

Zu den Kriterien unserer Liste (die nur für den Winter gilt, weil es in Deutschland auch im Sommer warm ist sein kann):

  • Wetter: klarer Vorteil für die Flugreise, aufgrund der zu erwartenden Sonne und Wärme.
  • Preis: eine Ferienwohnung ist meist etwas günstiger, für uns sogar deutlich, da sie Verwandten gehört
  • Essen: für uns ein großer Punkt, da es in großen Hotels meist eher schlechtes Essen gibt. Das meine ich nicht (nur) geschmacklich, sondern gesundheitlich. Hotelessen ist oft sehr fettig, meist gibt es sehr viel Fleisch oder Käse und die vermeintlich gesunden Dinge wie Obstsalat kommen eingelegt in Zuckerwasser aus der Dose. In der Ferienwohnung kochen wir selbst worauf wie Lust haben und was vegan, lecker und gesund ist.
  • Unternehmungen: An der Ostsee kann man sehr schön spazieren gehen. Bei Fernreisen sind wir aber bisher den ganzen Tag wandern gewesen und haben viele neue Landschaften gesehen.
  • Umweltbilanz: eindeutiger Vorteil für heimischen Urlaub
  • Bequemlichkeit/Entspannung: die großartige Ferienwohnung liegt super abgelegen und ruhig und es gibt keine anderen Gäste, wie in Hotels. Zudem ist die Reise wesentlich angenehmer als Fliegen+Bustransfer. Wellness hätten wir zwar nur im Hotel, haben wir bisher aber kaum genutzt, da wir ständig unterwegs waren.
  • Erlebnis: das Wandern in einem anderen Land ist natürlich ein anderes Erlebnis, das viele als besser einstufen würden. Allerdings ist es auch nicht zu unterschätzen, viel Ruhe zu haben und einfach seinen inneren Frieden zu erleben, zu meditieren, mit viel Zeit zu kochen etc.

Nachdem wir obige Kriterien mit 0-5 Sternen bewertet haben, hat die Flugreise mit 21:18 gewonnen. Lustigerweise waren wir uns dann trotzdem einig, dass es uns sehr wichtig ist in Sachen Umweltschutz und Ernährung unsere Ideale zu vertreten und haben uns für die Ferienwohnung entschieden. Und hatten wunderbare und liebevolle Flitterwochen.

Love & Peace,
Mr. FriedeFreude


*) zu den Nachteilen großer Reisen:

  • CO2-Belastung, insbesondere bei Flugreisen. CO2-Kompensationsseiten wie atmosfair bieten hier Informationen, um die Auswirkungen einzuschätzen. Ein Flug von Hamburg auf die Malediven und zurück erzeugt beispielsweise 5843 kg CO2 pro Person, was fast so viel ist wie 3 Jahre Autofahren (36.000 km Mittelklassewagen). Nun gibt es Menschen, die den Klimawandel aufgrund von CO2 leugnen. Diesen möchte ich gern folgendes Diagramm ans Herz legen: hier klicken, oben lesen, bis nach unten scrollen und nachdenken.
    Bei besagter Website atmosfair kann man übrigens auch eine CO2-Ausgleichs-Spende machen, um z.B. seine Flugreise zu kompensieren. Diese Spenden werden für Klimaschutzprojekte aufgewendet.
  • Bei Reisen in „ärmere“ Länder: soziale Ausbeutung. Auch hier gibt es Menschen die argumentieren, dass Luxushotels für westliche Touristen in armen Ländern für die Menschen vor Ort gut sind, weil sie doch Arbeitsplätze schaffen. Leider ist diese vereinfachte Darstellung (wie so oft) falsch, da man die Langzeitwirkung betrachten muss. Hierbei stellt man fest, dass diese einfachen Jobs zu einem Teufelskreis aus Armut und Nicht-Bildung führen. Dem Land insgesamt wird damit die Chance genommen, eine Wirtschaft aufzubauen, die nicht von einfachen Angestelltentätigkeiten abhängt und in der die Bevölkerung von den Gewinnen profitiert, statt großer Hotelketten. Dazu kommen die oftmals massiven Umweltschäden durch Tourismus, auf denen das Land sitzen bleibt.
    Noch ein Beispiel dazu: als Jugendlicher wollte ich immer auf die Malediven. Die Fotos von den einsamen Inseln und Traumstränden haben mich magisch angezogen. Aber erstens bin ich jetzt glücklicher als damals und mein Fernweg damit kleiner geworden und zweitens weiß ich jetzt, dass das nur die eine Seite der Medaille war. Inzwischen habe ich viel über die zweite (häßliche) Seite der Malediven-Medaille gelesen, d.h. über den unglaublich vielen Touristen-Müll, der zu einem großen Teil im Meer landet, die Zerstörung der Korallen durch Tauch-Tourismus, welche den Untergang der Inseln zusätzlich zur globalen Erwärmung beschleunigen wird und die Ausbeutung der Hotel-Angestellten (die in einfachsten Hütten beim Müll hinter großen Trennwänden lebt, damit der Touristen das nicht sehen muss).
    Damit ich nicht falsch verstanden werde: ich möchte niemandem vorschreiben, was er/sie zu tun hat. Für mich wäre diese perfekte Scheinwelt einfach nichts, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir ist nur wichtig, dass die Entscheidungen von gut informierten Menschen getroffen werden.

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